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Konrads Eintritt ins Kloster

1156

Konrad,

Markgraf von Meißen und der Ostmark,

bedachte, inspiriert durch die Gnade Gottes, die Ungewißheit seines Lebens und fürchtete, er könne, wenn er der vergänglichen Welt allzu lange anhange, auch selbst in den Untergang hineingezogen werden.

Daher faßte er den festen Entschluß, die Welt zu verlassen und in ein Kloster einzutreten. Zugleich wollte er für das Stift, nach dem ihn verlangte, nämlich das auf dem Lauterberg, das er bereits hinlänglich, so wie es ihm angemessen schien, ausgestattet hatte, auch für alle Zukunft sorgen.

So berief er denn Erzbischof Wichmann und Markgraf Albrecht von Brandenburg, zudem alle seine Söhne und viele andere kirchliche und weltliche Edle sowie Ministerialen nach dem Lauterberg und zog dorthin, um in deren Gegenwart seinen Plan auszuführen.

Zunächst ließ er alle Güter, die er selbst oder seine Gattin dem Lauterberg hatten zukommen lassen, durch die Hand seiner Söhne - also des Markgrafen Otto von Meißen, Dietrichs, Markgrafen der Ostmark, des Grafen Heinrich von Wettin, des Grafen Dedo von Rochlitz [d.i.: v. Groitzsch] und des Grafen Friedrich von Brehna - bestätigen, damit nach seinem Tode keinerlei Rechtsstreit darüber entstehen könne.

Diese Güter umfassen 183 1/2 Hufen, ungerechnet derjenigen, die dem Stift Niemegk gehört hatten, nämlich 70 1/2 Hufen, und ungerechnet der Waldungen, die er bekanntlich an verschiedenen Orten [dem Stift] überschrieben hatte.

Darauf bestimmte er den jeweils ältesten seiner Söhne oder Erben zu seinem Nachfolger in der Vogtei des Stifts und bestimmte folgendes:

Die Vogtei dürfe keinem je als Lehen übertragen werden; der Vogt dürfe in Stiftsangelegenheiten keinesfalls, als stünde es ihm rechtmäßig zu, über die freiwilligen Festlegungen der Brüder hinaus irgendwelche weltlichen Leistungen für sich in Anspruch nehmen; schließlich sollten seine Söhne - wie sie und ihre Ministerialen auch versprachen - auf dem Lauterberg ihre Grablege haben; denn Konrad war sich sicher, daß das weltliche Gut des Stifts damit am besten gefördert werden könne.

Nachdem so alles geordnet war, legte er vor dem Altar des heiligen Petrus die Kleider des alten Menschen ab, wurde von Erzbischof Wichmann eigenhändig in das Gewand der Kanoniker gekleidet und begann um der Liebe Christi willen ein Leben in freiwilliger Armut. Dem stimmten die Anwesenden lebhaft zu, und die Demut des Markgrafen ließ sie in reichliche Tränen ausbrechen, weil sie an einem so bedeutenden Mann einen derartigen Sinneswandel erlebten:

Über alle Vorstellungskraft und überdeutlich ereignete sich an ihm die Gnade und das Erbarmen Gottes.

Darauf rief der nunmehrige Streiter Gottes seine Söhne zu sich, anempfahl sein Stift, dessen Mitglied er ja nun geworden war, ihrer Gnade, auf daß sie sich bewußt seien, daß sich in ihm - lebendig oder tot - ihr Vater befinde und ihre Mutter und daß sie einst selbst mit den Ihren darin ruhen würden; deshalb sollten sie niemals nachlassen, diesem Stift ihre Hilfe zu gewähren. -

Dies geschah am [30. November, dem] Tage des heiligen Apostels Andreas; an diesem Tage brachte er den Wald, der im Osten an den Berg grenzt, dem heiligen Petrus als seine letzte Gabe dar. -

Nach seinem Eintritt ins Stift lebte Konrad noch zwei Monate und fünf Tage. -

Man darf glauben, daß dies alles nicht ohne die besondere Vorsehung Gottes geschehen ist, daß der Herr ihn, der beim Eintritt ins Stift noch feurigen Geistes war, von den Versuchungen dieser Welt zu befreien gewürdigt hat. In Anbetracht der menschlichen Schwäche konnte man nämlich befürchten, daß er, als er seine Söhne vor sich im Glanz fürstlicher Gnade thronen und seine Ministerialen sich brüsten sah mit den Reichtümern dieser Welt und weltlichem Prunk, wenn nicht sein Handeln, so doch sein Sinnen und Trachten von der klösterlichen Ruhe, die er erwählt hatte, nur zu leicht hätte abbringen lassen.

So kann man denn höchst zutreffend von ihm sagen, was im Buch der Weisheit über Männer dieser Art geschrieben steht: "Obwohl früh vollendet, hat er doch viele Jahre erfüllt. Er wurde entrückt, damit nicht Schlechtigkeit seinen Sinn verkehren könnte. Seine Seele gefiel dem Herrn, deshalb eilte er, ihn aus den Sorgen der Welt zu entfernen." (Sap 4, 13. 11. 14.)

Er starb am 5. Februar [1157] im 59. Lebensjahr und wurde von Erzbischof Wichmann in der Mitte der Kirche bestattet, wo zu seiner Rechten seine Gemahlin und nach ihr auf derselben Seite seine Schwester Mathilde [Machtildis] [von Seeburg], die Mutter des Erzbischofs [Wichmann], deren Todestag der 21. Januar ist, ebenfalls beigesetzt sind.

An seiner Totenmesse nahmen teil Bischof Walo von Havelberg, Markgraf Albrecht, dessen Sohn Hermann, alle seine Söhne außer Markgraf Otto und viele andere. -

Es besteht kein Zweifel, daß Konrad, da er sein Kreuz auf sich genommen und Christus nachgefolgt war, ein Jünger des Herrn war. Daher wird er zu Recht für würdig gehalten werden, seine Seele in der ewigen Ruhe zu bergen, wie denn der Herr Männern dieser Art versprochen hat, da er sagte:

"Wahrlich ich sage euch, daß ihr, die ihr alles verlassen habt und seid mir nachgefolgt, hundertfach empfangen werdet und das ewige Leben erwerben sollt." (Matthäus 19, 23. 27. 29.)

Quelle:
Chronik vom Petersberg (Cronica Montis Sereni) nebst der Genealogie der Wettiner (Genealogia Wettinensis),
übersetzt und erläutert von Wolfgang Kirsch,
erschienen im fliegenkopf verlag Halle 1996

Die Wiedergabe des obigen Textes erfolgt mit freundlicher Genehmigung des genannten Verlags.
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